Kleine Landstraßen statt Autobahn. Wochenmärkte statt Touristenbusse. Hotels mit Charakter statt Ketten. Eine Route, die das Auto und die Fahrer gleichermaßen glücklich macht.
Ein weicher Start. Das Verdeck runter, die ersten Kilometer über Vaals zum Drielandenpunt auf dem Vaalserberg — mit 322 Metern die höchste Erhebung der Niederlande, und der einzige Ort Europas, an dem sich drei Ländergrenzen küssen. Ein kurzer Foto-Stopp, ein Kaffee im Café auf dem Aussichtsturm, dann weiter.
Ab jetzt: die Voerstreek. Belgiens bestgehütetes Geheimnis. Sanfte Hügel, Hohlwegen, Fachwerkhäuser, Obstwiesen. Kaum Autos, kaum Touristen. Über Sippenaken und Gemmenich geht es nach 's-Gravenvoeren, Teuven und Remersdaal — jedes Dorf ein Aquarell. Die Route folgt den N608 und kleineren Gemeindestraßen. Das Navi wird mehrfach Umleitungen vorschlagen; ignoriert es.
Weiter über Kanne, das Grenzdorf an der Maas mit seinen unterirdischen Mergelgängen. Von hier nur noch zwanzig Minuten nach Tongeren — Belgiens älteste Stadt, römische Gründung, heute ein versteckter Schatz mit Grote Markt, Basilika, mittelalterlicher Stadtmauer und entspannten Gastronomie-Terrassen.
Haspengouw ist Belgiens Obstgarten. Im April und frühen Mai verwandelt sich die Region in ein weiß-rosa Blütenmeer, das Fotografen aus ganz Europa anzieht. Aber auch außerhalb der Blüte: sanfte Hügel, Weingüter, alte Abteien, der größte Obstanbau Westeuropas.
Erster Stopp: Alden Biesen, die größte Kommende des Deutschen Ritterordens, heute Tagungsort mit frei zugänglichem Park. Dann weiter nach Borgloon mit der weltberühmten Doorkijkkerk "Reading Between the Lines" — 30 Tonnen Stahl, 2000 Säulen, eine durchsichtige Kapelle zwischen Obstbäumen. Aus bestimmten Winkeln fest, aus anderen verschwindet sie.
Sint-Truiden als Mittagspause: UNESCO-gelisteter Belfried, 250 Denkmäler, einer der schönsten Marktplätze Flanderns. Die lokale Brauerei Kerkom produziert zur Blütezeit das "Blossom Blink"-Bier mit Honig und Birnensirup. Anschließend über Zoutleeuw und Diest (UNESCO-Beginenhof) nach Leuven.
Leuven: Universitätsstadt seit 1425, mit dem wohl schönsten gotischen Rathaus der Welt (235 Statuen!), Oude Markt ("längste Theke Europas"), entspanntes Tempo. Eine Stadt zum Abendspaziergang.
Kein Hoteltransfer heute — das Gepäck bleibt in Leuven. Ein langsamer Tag, Genusstag. Die Route führt durch das Hageland, Belgiens wenig bekannte Weinregion, zur barocken Wallfahrtsbasilika Scherpenheuvel (siebenstrahliger Sternplan, beeindruckend) und weiter ins mittelalterliche Diest mit seinem UNESCO-Beginenhof.
Mittagsziel: Hasselt, "Hauptstadt des Geschmacks" und Heimat des Genevers, des belgischen Wacholderschnapses. Das Jenever-Museum ist charmant und klein — genau richtig für zwei Stunden. Der Japanische Garten (größter Europas) bietet Ruhe. Mittagstipp: De Egel oder 't Hemelryck, beide mit regionaler Karte.
Die Rückfahrt über Herk-de-Stad und Aarschot — kleine Straßen, wenig Verkehr. In Leuven bleibt abends Zeit für einen Aperitif auf der Oude Markt oder ein Konzert im Stadhuis-Viertel. Die Stadt lebt abends auf.
Heute wechselt die Landschaft den Akzent — vom flämischen Brabant ins wallonische Hesbaye. Die ersten vierzig Kilometer über Nivelles mit seiner romanischen Stiftskirche, dann weiter zum heimlichen Höhepunkt des Tages:
Villers-la-Ville. Die Ruinen einer Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert, verwildert, von Efeu umrankt, mit Bögen, die in den Himmel zeigen. Ein Picknickplatz wie gemalt. Wenig Touristen, viel Atmosphäre. Plant anderthalb bis zwei Stunden.
Namur liegt am Zusammenfluss von Maas und Sambre. Die Zitadelle darüber ist eine der größten Festungen Europas — mit dem Auto bis oben fahrbar, kostenloses Parken, spektakulärer Blick über die Stadt. Die Altstadt darunter: Gässchen, Antiquitätenläden, Maas-Terrassen. Abends lohnt das Félicien-Rops-Museum (belgischer Symbolist, gewagt für seine Zeit) oder einfach ein Aperol an der Quais de Meuse.
Heute gilt eine einzige Regel: nicht auf die Autobahn. Die N92 und N97 folgen der Maas, und sie tun es spektakulär. Felsenschluchten, Wasserschleifen, kleine Fährstellen, Segelboote. Bei Profondeville lohnt ein Stopp an einem der Maas-Cafés.
Dinant ist der Klassiker — die Kollegiatkirche unter der senkrechten Felswand, die Zitadelle darüber per Seilbahn erreichbar, das Saxophon-Museum (Adolphe Sax ist hier geboren). Touristisch, aber zurecht. Wer es ruhiger mag: einen Kaffee am Ufer, die Stadt überqueren, weiter.
Danach der Umweg, der sich lohnt: Crupet und Celles, beide auf der Liste "Les Plus Beaux Villages de Wallonie". Steinhäuser, Kopfsteinpflaster, eine Handvoll Einwohner, zwölfhundert Jahre Geschichte. In Celles das Château de Vêves — ein Märchenschloss, das man auch besichtigen kann, aber schon der Blick von außen reicht.
Später Nachmittag in Durbuy, der selbsternannten "kleinsten Stadt der Welt" (mit 500 Einwohnern im historischen Kern nicht mal ganz gelogen). Mittelalterliche Gassen, ein Topiary-Park mit 250 Buchsbaumskulpturen, das Schloss des Grafen am Ourthe-Ufer. Am späten Nachmittag, wenn die Tagesbesucher weg sind, ist die Stadt am schönsten.
Der letzte Tag ist der Kurventag. Wenn ein Tag den Fahrspaß des Cabrios rechtfertigt, dann dieser. Von Durbuy nach La Roche-en-Ardenne — das Städtchen liegt in einer perfekten Ourthe-Schleife, überragt von einer mittelalterlichen Burgruine. Ein Foto-Stopp, vielleicht ein Kaffee am Ufer.
Weiter nach Stavelot, eines dieser Städtchen, die keiner auf dem Schirm hat und die genau deshalb so schön sind. Barocke Fassaden, eine ehemalige Fürstabtei mit drei (!) Museen darin, darunter das Karnevalsmuseum mit den berühmten "Blancs Moussis"-Masken. Ein halber Tag ließe sich hier verbringen.
Spa — ja, die namensgebende Stadt. Das älteste Heilbad Europas. Der Pouhon Pierre-le-Grand-Brunnen sprudelt seit dem 16. Jahrhundert. Ein kurzer Besuch im alten Kurhaus, ein Glas Mineralwasser direkt an der Quelle.
Von dort über Eupen zurück nach Aachen. Sechs Tage, 550 Kilometer, ein Cabrio voller Erinnerungen.
Gute Märkte findet man nicht über Google. Diese hier sind die, die Einheimische anlaufen — kein Nippes für Touristen, sondern echtes Leben.
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Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, Tiles © CARTO, gerendert mit Leaflet. Koordinaten der Wegpunkte approximativ.